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Quelle: Edeltraud Zimmermann

Kirche Oppenau

Vorgeschichte

Seit 1894 wurde den evangelischen Diaspora-Christen im oberen Renchtal von der Stadt Oppenau ein Schulsaal zur Abhaltung ihrer Gottesdienste überlassen.

Schon vor dem 1. Weltkrieg hatten die Evangelischen begonnen, Mittel für eine eigene Kirche zu sammeln, doch erst in den dreissiger Jahren rückte dieses Ziel in greifbare Nähe. Der Antrag an die politische Gemeinde, den Neubau durch eine Bauholzspende zu unterstützen, wurde allerdings Anfang 1938 zunächst vom damaligen Kreisleiter  abschlägig beschieden: „Ich habe … davon Kenntnis genommen, dass die evangelische Diasporagemeinde Antrag auf Überlassung des erforderlichen Tannenholzes zum Kirchenneubau und zwar kostenlos gestellt hat. Ich halte es für unmöglich, dass im Dritten Reich solchen Anträgen stattgegeben werden kann …“ Schließlich wurde das Bauholz aber doch nach langem Hin und Her zwischen unterschiedlichen Behörden genehmigt und bereit gestellt.

Zur Sicherung der Finanzierung durch eine Ortskirchensteuer wurde die evangelische Diasporagemeinde durch den Evangelischen Oberkirchenrat mit Wirkung vom 2. August 1938 zur eigenständigen Kirchengemeinde Oppenau erhoben, „zu deren Kirchspiel … Oppenau, Bad-Griesbach, Bad-Peterstal, Ibach, Lierbach, Maisach, Ramsbach gehören“. An der Karl-Friedrich-Straße zwischen Oppenauer Bahnhof und Allmendplatz war ein Wiesenstück im Gewann „Lustgarten“ gekauft worden.

 

Bau

Am 23. April 1939 erfolgte die Grundsteinlegung. Der Rohbau war bis auf den Turmhelm fertig, unter der Kirche war vorschriftsmäßig ein Luftschutzkeller errichtet, als durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs der Bau zum Stillstand kam. Im letzten Kriegsjahr wurde das leer stehende Gebäude sogar als Munitionslager benutzt und nach Kriegsende durch die französischen Truppen Konfiskationsgut darin gelagert. Mit diesen Gütern verschwand auch das zur Fertigstellung der Kirche benötigte Baumaterial.

Durch die große Zahl von Flüchtlingen aus evangelischen Gebieten wuchs auch die Zahl der Gemeindemitglieder rasch an, deren Eingliederung viel Einsatz erforderte.

 

Die Kirche

Erst 1950 konnte die neue, eigene Kirche vollendet werden. Am 5. März 1950 erfolgte die Einweihung durch Landesbischof Dr. Bender. In den im Vergleich zu den Vorkriegsplänen deutlich verkleinerten Kirchturm wurde eine historische, 1843 in Straßburg bei Edel gegossene, Glocke gebracht, die in Legelshurst den Weltkrieg überstanden hatte und von der dortigen Kirchengemeinde günstig erstanden werden konnte.

In der Oppenauer Wirkzeit von Pfarrer Ulrich Köstlin (1966 - 1975; gestorben am 3.12.1999) erfolgte 1973 eine gründliche Umgestaltung des Altarraums der Kirche. Der Bildhauer Jürgen Görtz schuf ein Taufbecken, Altarkreuz und –leuchter und entwarf einen zwölffüssigen Altar. Er nahm dabei Bezug auf die Baugeschichte der Kirche durch den Weltkrieg hindurch und die Munitionsfunde im Kirchenkeller: Eine ehemalige Munitionskiste wurde für den Friedensdienst umgewidmet ("Schwerter zu Pflugscharen") und diente als Baustein und Grundmaß für Taufbecken und Altar. Auch das Altarkreuz aus in Bronze abgegossenen Kistenbrettern, die "Mensch werdende" Heilig-Geist-Taube und die beiden Reliefs auf dem Taufbecken und der ebenfalls tierisch-menschliche "Angsthase" des Leuchters nehmen darauf Bezug.

Das abstrakte Fenster hinter dem Altar stammt von Horst Leyendecker. Mit floral wirkenden Formen interpretiert es das Sämannsgleichnis (Matthäus 13) von Gottes großzügiger Saat auf das vierfache Ackerfeld der Menschen.

 

Modernisierung

Seit 1995 hat die Kirche eine für die Ausmaße der Kirche großzügige Pfeifenorgel der Orgelwerkstatt Vier/Oberweier, die seitdem den Gemeindegesang trägt. Nur durch eine Vielzahl von Spenden aus der Gemeinde, aber auch aus der katholischen Nachbarpfarrei und der politischen Gemeinde konnte sie verwirklicht werden.

Seit 1999 speist eine thermische Solaranlage auf dem Kirchendach Sonnenenergie in die gemeinsame Heizung von Kirche und benachbartem Pfarr- und Gemeindehaus.

2004 wurde der Kirchenkeller, der ehemalige Luftschutzkeller, zum Internetcafé „ARCHE“ für Jugendliche ausgebaut und bis 2011 auch als offener Jugendtreff genutzt.

 

Quelle: